ΓΝΩΘΙ ΣΑΥΤΟΝ oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde

Herausgegeben von: Karl Philipp Moritz, Karl Friedrich Pockels und Salomon Maimon
Digitale Edition herausgegeben von Sheila Dickson und Christof Wingertszahn


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V.

Von der Beschaffenheit einiger unserer Gesichtsbegriffe.

Pockels, Carl Friedrich

Den größten Theil unserer Vorstellungen bekommen wir durch Hülfe der Augen, und man kann mit Recht sagen, daß sie die ersten und vornehmsten Lehrmeister des menschlichen Verstandes gewesen sind, weil wir uns nicht vorstellen können, daß [49]wir in unsrer Kindheit eher zu denken angefangen haben sollten, als bis wir die äußern Formen der Dinge und ihre Verhältnisse so wohl gegen einander, als auch insbesondere ihre Beziehungen auf uns, zu unterscheiden und auszudrücken gelernt hatten. — Auch sind würklich die Eindrücke, welche wir in unsrer frühen Kindheit von irgend einem auffallenden sichtbaren Gegenstande erhielten, diejenigen, der wir uns noch am leichtesten aus der ersten Epoche unseres Denkens erinnern können; da wir hingegen die Eindrücke der andern Sinne schon längst vergessen haben. Der erste geharnischte Reuter, das erste ausländische Thier, das wir zu sehen bekommen, wird uns immer noch deutlich vor den Augen schweben; aber wir werden es lange vergessen haben, was wir dabei dachten, und was uns andere damals darüber sagten. Wir wissen es nicht mehr, unter welchen Umständen wir die meisten Eindrücke des Auges in unsrer ersten Kindheit bekommen haben, und mit welchen Ideen sie sich damals verbanden; — aber wir würden gewiß finden, wenn wir den ganzen Vorrath unsrer nach und nach erlangten Begriffe überhaupt so zergliedern könnten, daß wir die ersten Anfänge derselben, und ihre Beziehungen auf die Entwickelungen der andern Sinnesbegriffe anzugeben im Stande wären, daß, sag ich, wir die meisten durch das Organ des Gesichts erhalten haben müssen, und daß durch eine unendlich oft wie-[50]derholte Vergleichung der äußern Formen, alle die sogenannten abstrakten Begriffe von Raume, Größe, Ausdehnung, Figur, Verhältniß, Schönheit, Häßlichkeit, und selbst der von der Bewegung, in uns entstanden sind.

Eben jene Zergliederung unserer Ideen würde uns nun aber auch lehren, daß das abstrakteste Denken sich unausbleiblich allemal auf sinnliche oder versinnlichte Gesichtsbegriffe bezieht, und daß wir ihm nur in so fern vorzugsweise den Nahmen des übersinnlichen geben können, als wir uns der dabei zum Grunde liegenden sinnlichen Ideen in der schnellen Folge unsrer Gedanken nicht mit Deutlichkeit bewust sind.

Um dieß noch deutlicher einzusehen, so erwäge man nur, wie sehr sich unsere Begriffe untereinander verwirren, wie viel sie von ihrer Klarheit verlieren, sobald wir mit unsern Vorstellungen ganz über das Sichtbare hinausgehen wollen, und wie unruhig der menschliche Geist dabei auf der andern Seite immer mehr nach sinnlichen Bildern hascht, um etwas zu haben, woran er sich in dem unsichern Gange seiner Spekulation halten kann. Wie unbestimmt, unzuverläßig, und unsrer Wisbegirde ungenugthuend ist für uns der Begrif eines Geistes, sobald wir uns ihn ohne alle Verbindung mit einem Körper denken wollen! — Wie sehr hat sich erst die Sprache verfeinern, und der menschliche Verstand üben müssen, ehe man die Eigenschaf-[51]ten eines einfachen Wesens bezeichnen konnte, und um sie zu bezeichnen, hat jene alle die Modificationen, vermöge welcher sie sichtbare Gegenstände durch das Geschlecht, die Person, die Bindewörtchen, und das Verbum unterscheidet, auf übersinnliche Gegenstände übergetragen, damit sie ja nie den Faden unsrer abstrakten Gedanken gleichsam sich selbst überlassen, sondern immer in etwas Sinnliches anknüpfen möchte. Sprache ist also ihrer Natur nach, wenn sie auch die abstraktesten Sätze ausdruckt, ein für unsern Verstand höchst nöthiges Versinnlichungsmittel dieser Sätze.

Alle unsere Gesichtsbegriffe können, wie mich dünkt, unter folgende Klassen gebracht werden, nemlich unter die, welche wir — durch die Ausdehnung und Figur — durch die Bewegung und — durch die Farben der Körper bekommen. Meine Absicht ist gegenwärtig nur von der erstern Art unserer Gesichtsbegriffe zu handeln.

Alles, was wir sehen, sehen wir unter einer gewissen Figur und körperlichen Ausdehnung. Unser Auge ist so künstlich gebaut, daß es kleine und grosse Gegenstände mit leichter Mühe überschauen, unterscheiden, und sogar ihre Entfernungen von einander messen kann, obgleich zu dem letztern eine längere Uebung, und Vergleichung eines angenomnen Maasstabes gehört, den wir durch eine vielfältige Erfahrung festgesetzt haben. Einem Blindgebornen, der auf einmal sehend würde, würden [52]alle Gegenstände eine gleiche Entfernung von seinem Auge zu haben scheinen; denn wie könnte er sich von einer unterschiedenen Weite verschiedener Gegenstände einen Begrif machen, da er noch nie die Erfahrung gemacht hat, daß entferntere Sachen unter einem kleinern Winkel ins Auge fallen, und mithin auch uns kleiner, als nahe liegende, erscheinen müssen, und da die Lichtstrahlen von jenen für unsere Empfindung eben so schnell, als von diesen zu unsern Augen gelangen, folglich auch hierbei ihm kein Unterschied ihrer Entfernungen zu entdecken möglich wäre.

An jene Erfahrung, alles unter einer gewissen Gestalt und Figur zu sehen gewöhnt, ist es uns nicht möglich, uns etwas ohne Gränze deutlich vorzustellen. Unaufhörlich verbinden sich die sinnlichen Begriffe von Grosse, Raum, Zahl und Verhältniß mit unsern abstrakten Begriffen selbst, und wir sehen uns alle Augenblicke genöthigt, Prädicate aus der sichtbaren Welt in die Reihe unsrer geistigen Vorstellungen zu mischen, wenn wir uns nicht in leere Träumereien verlieren wollen. Es ist wahr, wir können uns eine unendlich fortlaufende Linie, oder mehrere solcher Linien, die in gleicher Entfernung neben einander fortgehen, oder sich auch immer weiter von einander entfernen, vorstellen; allein wir können uns diese, oder mehrere benannte Linien nicht denken, wenn wir ihnen nicht erst einen gewissen Ort geben, wo wir sie entstehen lassen, — [53]und denn ist ja die fortgehende Bewegung der Linien, ohne die ihre Vorstellung überhaupt unmöglich ist, selbst ein sinnliches Bild, worauf der Begriff einer unendlichen Linie beruht.

Wenn wir an einem körperlichen Gegenstande keine Grenze bemerken, so imaginiren wir uns eine, weil wir aus einer vielfältigen Erfahrung wissen, daß ein Körper irgendwo aufhören muß; wir fühlen eine Unruhe, wenn wir sie nicht finden können, und ein Labyrinth ist für unsere Imagination ein schrecklicher Gegenstand. Sonderbar ists, daß wir den Körper, oder den Raum, den wir nicht übersehen können, gemeiniglich für grösser halten, als er würklich ist; ein Irrthum, der wohl daher entstehen mag, daß wir das Maas seiner Seiten mit der Größe seines Anfangs nicht in Vergleichung bringen können.

Der Begrif von Ausdehnung, Raum und Figur überhaupt, welcher die Grundidee aller unsrer Gesichtsvorstellungen ist, ist mit einem andern, der sich frühzeitig in uns zu entwickeln anfängt, und zur Bildung aller unsrer Kenntnisse, zur Entwickelung der Wortsprache, und zur Erfindung der tiefsinnigsten Wahrheiten sehr viel beiträgt, aufs genaueste verbunden, ich meine den Begriff von Größe, oder welches hier einerlei ist, vom Verhältniß mehrerer nebeneinander betrachteten Objekte. Die Verschiedenheit der Größe derselben, [54]die so unendlich relativ ist, gewährt uns nicht nur eine erstaunlich große Summe von sinnlichen Vergnügen, welches wegfallen würde, wenn wir alles unter einerlei Größe und Figur sehen; sondern unser Verstand gebraucht auch die Bezeichnungen und Ausdrücke davon, um die geheimsten Kräfte der Natur der menschlichen Seele dadurch anschaulich und deutlich zu machen. Es ist wahr, daß wir uns die Größe sichtbarer Gegenstände so vorstellen müssen, wie es einmal die Natur haben will, und daß wir in der Aufnahme sinnlicher Eindrücke, wie wir sie empfinden wollen, nichts weniger als frei sind, aber wir sind auf der andern Seite für diese mechanische Nothwendigkeit durch unsere Imagination wieder schadlos gehalten worden, die nach Gefallen der Verhältnisse sichtbare Dinge umändern, und sich Gestalten schaffen kann, die die verschwenderische Natur selbst noch nicht hervorgebracht hat. Wir können uns einen Körper auf eine zweifache Art unter einer gewissen Unendlichkeit denken, da es eine unendliche Vermehrung desselben, durch hinzugegebene neue Theile, und wiederum eine unendliche Theilung desselben für unsere Einbildungskraft giebt, wodurch tausenderlei neue Verhältnisse gedacht werden können; daher wird es uns so äusserst schwer, Dinge zu denken, die nicht mehr weiter getheilt, auch nicht vergrößert werden können, und vielleicht sind die Begriffe eines Atoms, und einer unendlich ausgedehn- [55] ten Substanz, die dunkelsten in dem ganzen Gebiete menschlicher Begriffe.

Durch die Vergleichung einer bekannten Grösse, von deren Grad und Ausdehnung wir uns durch mehrere Erfahrungen überzeugt haben, mit einer oder mehrern unbekannten entsteht das Augenmaas, welches bis zu einer geometrischen Schärfe gebracht werden kann, selbst wenn Gegenstände sich in einer perspektiven Lage gegen einander befinden, und das Auge leicht getäuscht werden kann. Die richtige Beurtheilung der Perspektive erfodert daher das feinste Augenmaas, weil die Vergleichung einer angenommnen bestimmten Größe mit einer unbekannten, die überdem noch durch ihre Entfernung kleiner wird, als sie eigentlich ist, viel schwerer werden muß. — Vergleichen wir eine Menge solcher durch die Entfernung klein gewordener Gegenstände mit größern neben ihnen oder hinter ihnen stehenden, so müssen diese den Gesichtseindruck auf uns machen, als wenn sie uns viel näher stünden, als sie würklich stehen. Ein Gebürge scheint uns näher zu seyn, als die vor ihm liegenden Dörfer und Bäume; eine grosse Wolke steht nach eben dieser Täuschung niedriger, als die Thurmspitze, und der aufgehende und untergehende Mond erscheint allemal größer, als wenn er hoch am Himmel steht, weil wir ihm, wenn er sich in der Gegend des Horizonts befindet, näher zu stehen glauben, als wenn er sich davon weiter entfernt hat, [56]und wir glauben ihm deswegen im ersten Fall näher zu seyn, weil der Horizont, an dem er sich befindet, und mit dem wir ihn zunächst in Verbindung sehen, allemal wenn es dunkel wird, und das zwischen ihm und unserm Auge liegende Thal verschwindet, näher zu uns herzurücken scheint.

Auf den Begrif von Grenze und Figur, oder vielmehr aus dem Verhältniß der Grenze zur ganzen Figur, gründet sich der Begriff von der Schönheit der Formen. Wir können so lange einen sichtbaren Gegenstand nicht schön nennen, so lange wir nicht die einzelnen Theile desselben mit seinem ganzen Umfange vergleichen können; jene einzelnen Theile können zwar an sich selbst schön seyn, Weil sie unter sich eine richtige abgemessene und schickliche Stellung haben; aber wir dürfen nicht davon auf die Schönheit des Ganzen schliessen, wenn uns noch viele andere Theile davon unbekannt sind. Ein neuerer Philosoph hat mit vielem Scharfsinn zu beweisen gesucht, daß der Begrif von Schönheit nicht auf Proportion der Theile eines sichtbaren Gegenstandes beruht,*) 1 wodurch er natürlicher Weise auch das Verhältniß der Theile gegen die ganze Form mit versteht. — Er führt aus dem Pflanzen- und Thierreiche Gegenstände an, die wir schön [57]nennen, ob wir gleich nicht sagen könnten, daß ihre einzelnen Theile mit dem Ganzen in einem abgemessenen Verhältnisse stünden; allein mich dünkt das hebt den einmal angenommenen Begrif von Schönheit, daß sie auf Proportion der Theile beruhe nicht auf, weil die selbst von ihm angeführten schönen Formen, die nach seiner Meinung nicht aus Proportion der Theile schön seyn sollen, häßlich werden würden, wenn man die ihnen von der Natur der Kunst mitgetheilte Figur umändern wollte. Wir sehen offenbar daß eine Bildsäule häßlich wird, wenn wir die Verhältnisse ihrer Theile zur ganzen Form derselben aufheben, und verhunzen. — Warum uns gerade die und keine andere Proportion an einer schönen Form gefällt, ist eine andere Frage, die nicht leicht ganz befriedigend beantwortet werden kann, da sie sich auf ein noch ziemlich dunkles Gefühl von der Zuneigung unsrer Herzen gegen schöne Gegenstände bezieht. Unter den Formen sichtbarer Dinge gefällt uns vornehmlich die runde, besonders wenn sie grossen und erhabnen Gegenständen eigen ist. Ein grosser runder Rasenplatz macht einen angenehmern Eindruck auf uns, als ein eckiger; eine runde Säule gefällt uns mehr, als eine eckige. Der Grund von dem Angenehmen, das in der Vorstellung eines runden Körpers liegt, mag wohl der seyn, daß wir einen runden Körper für einen sehr vollkommnen sinnlichen Gegenstand halten, und wir halten [58]ihn dafür, weil wir uns keine fernern Zusätze zu seinem Umkreise denken können, ohne die Einfachheit seiner Form würklich zu verunstalten; er würde durch einen Zusatz von aussen also unvollkommner zu werden scheinen, wir würden uns nun nicht mehr die abgemessenste gleiche Entfernung seines Mittelpunkts von allen Punkten der Peripherie vorstellen können; da hingegen ein eckiger Körper unendlich verschiedene Zusätze bekommen kann, ohne daß er verunstaltet wird. — Ausserdem hat die Vorstellung des Runden noch etwas Angenehmes für unsere Imagination, nehmlich, daß es bewegbarer ist, und unsern Kräften weniger widersteht, als das Eckige. Dieses hat für unsere Vorstellung etwas Todtes, Träges, das uns nicht gefällt. Das Runde hingegen gleichsam eine Art des Lebens, weil es nur mit wenigen Punkten die Fläche berührt, worauf es liegt, und durch einen unendlich geringern Stoß, oder durch die kleinste Verrückung der Bodenfläche aus ihrer horizontalen Lage in Bewegung gesetzt werden kann. — Unsere Neigung für sichtbare Gegenstände nimmt aber offenbahr in dem Grade zu, als unsere Vorstellung darüber von einer Art, eines ihnen zukommenden oder nur imaginirten Lebens, zunimmt.

Je nachdem unser Auge gegen gewisse grosse Gegenstände verschiedentlich gestellt ist, entstehen auch verschiedene Benennungen der Stellung derselben, z.B. Höhe, Tiefe, Breite. Beide erstern [59]Wörter sagen offenbar einerlei; obgleich nicht zu läugnen ist, daß die erstere einen ganz andern Eindruck auf uns macht, als die zweite. Wenn wir dicht am Rande eines Abgrundes stehen; so scheint die grade Linie von unserm Auge bis an den Boden des Abgrundes hinuntergezogen, allemal größer zu seyn, als die, welche wir uns hinaufgezogen denken, wenn wir unten stehen. Sollte nicht an dieser Täuschung die Furcht Schuld haben, die uns ergreift, wenn wir eben herabsehen; die Furcht in welcher sich unsere Imagination gemeiniglich alles zu groß, und schrecklicher vorstellt, als es würklich ist. Wir können ja ruhig an einem Thurm hinaufsehen, und das doch wohl aus dem Grunde, weil wir da nicht herunterzustürzen befürchten. Ich will hier nur beiläufig eine Empfindung erwähnen, die ich selbst sehr oft gehabt habe, und davon auch schon einmal in diesem Magazin die Rede gewesen ist, nehmlich die, daß man am Rande eines Abgrundes, auf der Galerie eines Thurms, einen Drang sich hinabzustürzen fühlt. — Es giebt Leute, die dabei in eine solche Angst gerathen, daß sie schwindlicht werden, und in Ohnmachten sinken. — Ich kann mir die Sache nicht anders als so erklären — die grosse Nähe der Gefahr, der ungeheure Abgrund vor unsern Füssen, setzt uns auf einmal in ein solches Schrecken, daß unsere Imagination uns den Fehlschluß abzwingt, daß wir schon im Herabsinken begriffen wären, [60]daher man sich auch gemeiniglich mit einer unnöthigen Festigkeit an die Stangen der Gallerie anhält, oder sich am Rande des Abgrunds zur Erde wirft, um sich dadurch mehrere Sicherheit zu verschaffen. In dem Augenblicke daß uns aber unsere furchtsame Phantasie auf den Gedanken bringt, daß wir der Gefahr nicht entgehen könnten — regt sich zugleich in uns der Wunsch dieses Unglück so geschwind als möglich zu überstehen, und dieses ist eben der Drang, welchen wir durch unsere Phantasie getäuscht, in uns zum Hinabstürzen fühlen. —

Ein hoher stehender Körper macht auf uns einen grössern Eindruck, als wenn er liegt. Die Verschiedenheit dieser Vorstellungen, die von der verschiedenen Lage eines Körpers entsteht, scheint daher zu kommen, daß wir einen aufgerichteten hohen Gegenstand nicht so genau von allen Seiten nach seiner relativen Grosse betrachten können, als wenn er liegt, und eben deswegen mit den um ihn stehenden Dingen leichter und nach einem sicherern Augenmasse verglichen werden kann. Ueberdem ist mit der Vorstellung der Höhe eines erhabnen Gegenstandes noch der Nebenbegrif verbunden, der jene Vorstellung vergrößern hilft — nehmlich der Nebenbegrif der erstaunlichen Kraft, die dazu gehört hat, einen solchen hohen Körper aufzurichten. Aus eben diesem Grunde macht schon die Vorstellung einer schiefliegenden Fläche einen grössern [61]Eindruck, als die einer horizontalen. — Den grösten aber macht allemal eine Lothrechtstehende Vertikalfläche, weil die durch die höchste Anstrengung der Kraft mit der horizontalfläche in eine recht winkliche Lage, als der einem stehenden Körper angemessenste, gebracht worden ist. Eine schiefliegende Fläche kann den Eindruck nicht auf uns machen, weil es uns immer so vorkommt, als wenn noch nicht Kraft genug vorhanden gewesen wäre, ihr die höchste Richtung, nemlich diejenige zu geben, daß sie sich auf keine Seite hinneigte.

C. F. Pockels.

Die Fortsetzung folgt.

Fußnoten:

1: *) Sieh. A philosophical Enquiry into the origine of our ideas of the sublime and beautiful. By C. Burke Lond. 1767. 8. a

Erläuterungen:

a: Burke 1767, S. 164-191.