ΓΝΩΘΙ ΣΑΥΤΟΝ oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde

Herausgegeben von: Karl Philipp Moritz, Karl Friedrich Pockels und Salomon Maimon
Digitale Edition herausgegeben von Sheila Dickson und Christof Wingertszahn


Startseite > Bandnavigation > Band: III, Stück: 2 (1785) > I.  Jakob Varmeier,

I.

Jakob Varmeier,

(ein Mörder nach einem apocryphischen Buche in der Bibel.) a

Evers, Karl Friedrich

Jakob Varmeier, aus Osnabrück in Westphalen gebürtig, dessen Vater gleichfalls Jakob genannt, Licentiatus Juris und Praktikus, wie auch Rath- und Gaugraf im Dienste des Bischofs daselbst war, widmete sich den Wissenschaften, und, nachdem er die Schule seines Geburtsorts verlassen, der Rechtsgelahrtheit anfänglich zu Helmstädt zwei Jahre, hernach aber von Anno 1614 zu Rostock, übte [2]sich hiernächst im Disputiren, las Kollegia und war, wegen seines Fleisses, guten Sitten, ehrbaren und frommen Wandels, bei Hohen und Niedrigen, besonders auch in Rostock, beliebt.

Die praktische Rechtsgelehrsamkeit desto näher kennen zu lernen und demnächst in Ausübung zu bringen, bewarb er sich um die Sekretairstelle bei dem der Zeit zu Sternberg befindlichen Hof- und Landgericht. Ihm ward solche im September 1626 übertragen; jedoch, obgleich seine Vorgesetzten sehr wohl mit ihm zufrieden waren, resignirte er einige Zeit hernach, ging wieder nach Rostock, befaste sich mit der Advokatur und ward, etwa im Jahr 1630, in die Zahl der Kandidaten zur Doktorwürde auf sein Ansuchen aufgenommen.

Inzwischen hatte er sich — das Jahr ist aus den Akten nicht zu ersehen — verehliget, und wohnte nebst seiner Schwiegermutter zu Rostock in einem ihr eigenthümlichen Hause am Markte.

Sein Gemüthscharakter — dieser hat in die Folge der Geschichte einen zu wichtigen Einfluß, als daß er unberührt bleiben könnte. Schon in den kindlichen Jahren war er von seinen Brüdern durch sein blödes und melancholisches Temperament sehr abstechend, dahero er auch alle rauschende Spiele der Jugend vermied.

Beunruhigende Gedanken machten seine Nächte schlaflos. Während des Auffenthalts bei seinem [3]Oheim, der Sekretär in Lübeck war, etwa im Jahr 1622 nahm seine Schwermuth so sehr überhand, daß er sogar bei einer Promenade auf dem Walle, wäre er nicht daran verhindert, sich davon gestürzet, oder sonst etwas gefährliches vorgenommen hätte, welches veranlaßte, daß jener mit ihm nach Osnabrück zu seinen Eltern reisete, woselbst seine Krankheit noch eine ziemliche Zeit angehalten, welche ihn denn auch fast zu allen Dingen verdrossen und oft untüchtig machte.

Denn kaum hatte er im Jahr 1624 zu Neuenkloster die Hofmeisterstelle bei zwei adelichen Knaben von Powisch angenommen, als er sie schon wieder nach drei Wochen verließ; während seiner Hofgerichtsbedienung überfiel ihn abermal der Paroxismus und veranlassete sein Dimissionsgesuch; selbst der Vorsatz, wegen seiner Promotion ward durch melancholische Rezidive von Zeit zu Zeit verzögert; von schwermüthigen Gedanken gequälet, verzweifelte er zuweilen an seiner Seeligkeit, war darin einem Kinde gleich, bildete sich ein, er könne nicht sprechen, oder etwas zu Papier bringen, wesfalls, wäre er nicht in solchen Anfällen von seinem Beichtvater und guten Freunden getröstet, die Verzweiflung ihn leicht ganz dahin gerissen haben möchte.

In dieser traurigen Situation befand er sich sehr oft, besonders in den letzten Jahren, vielleicht [4]auch in dem schrecklichsten Zeitpunkte seines Lebens, welchem ich mich jetzo nähere.

Schon oben ist bemerket, daß er bei seiner Schwiegermutter seine Wohnung gehabt. Dieses bequeme und am Markte in Rostock belegene Haus war für den dasigen Kommendanten, den Kaiserl. Obristen Heinrich Ludwig von Hazfeld zum Quartier ausersehen, daher er und seine Schwiegermutter auf Verlangen des Magistrats solches räumen mußten. Hiedurch, vielleicht auch durch seine Wissenschaften, wovon der Obriste ein Liebhaber war, erhielt er Gelegenheit, dessen Bekanntschaft und Zutrauen sich zu erwerben, so daß er die Erlaubniß hatte, unangemeldet zu ihm kommen zu dürfen. Unglückliche Erlaubniß!

Im Jahr 1631 den 20sten Januar Donnerstags in der Nacht erwachte Jakob Varmeier um 12 Uhr mit den Gedanken, wegen des betrübten Kriegswesens und daß Gott den Obristen von Hazfeld durch einen schleunigen Tod von dieser Welt abfodern wollte, wobei ein grausamer Antrieb, welchen er, auch unter der Marter, für eine göttliche Eingebung, vel singularem Inspirationem divinam hielt, daß jene That durch ihn geschehen sollte, sich seiner ganzen Seele bemächtigte.

Gebet, Seufzen und Thränen, sowohl in dieser Nacht, als nachher, solcher Gedanken und deren Ausführung überhoben zu seyn, konnten den öfteren Antrieb dazu nicht hemmen, vielmehr ver-[5]spürte er Tages darauf, den 21sten d.M., als er sich vorgenommen, seinen Beichtvater hierüber zu Rathe ziehen, eine neue sogenannte Instruktion, daß es niemand vor vollbrachter That wissen und er solche verrichten müste.

Um 1 Uhr bemerkten Tages verfügte er sich zu dem Obristen von Hazfeld in der alleinigen Absicht, Schuzbriefe für einige Personen zu bewirken. Verweilte in dem Vorgemache bei dem Zimmer desselben, und mit dem Gedanken oder Antriebe, daß die That durch ihn und mit keinem andern Instrument, als einem Beile, geschehen müste, beschäftiget, erblickte er im Gebet und Weggehen drei neue Beile vor dem Fenster, nahm das größte davon zu sich, jedoch mit dem Vorsatze, wenn Gott ihn von diesem Gedanken befreiet hätte, solches wieder dahin zu bringen.

Bei seiner Rückkunft erneuerte sich derselbe dahin, wie es von Gott beschlossen wäre, daß er die Exekution an dem Obristen verrichten und den Stiel zum Beile auf seinem Hausboden finden würde; er fand solchen würklich daselbst völlig geschickt dazu und bevestigte ihn in dem Beile mit wiederholten Flehen zu Gott, es nicht dahin kommen zu lassen.

Selbst der Anblick der Bibel auf seinem Zimmer vermehrte den Enthusiasmus; er las die Mordgeschichte Holofernes zu dreienmalen und exzerpirte einige Stellen aus dem Buche Judith Cap. 8,28. Cap.9,2-15. Cap. 10,9. Cap. 13,6. [6]und Cap. 16,16-21. mit Veränderung etlicher Worte, als statt Jerusalem, Rostock; statt Holofernes, Obrister; und statt ihr, mich; wobei er sich zwar den Zweifel machte, daß Holofernes ein Tyrann, der Obriste Hazfeld aber ein christlich frommer Herr, und ihr Beschützer wäre, jedoch durch einen geheimen Trieb abermal die Antwort erhielte: »es wäre gleichviel, Holofernes oder Hazfeld, er sollte nur die That, wie die Judith, ohne Wissen des Predigers noch eines andern Menschen, verrichten und nicht dafür halten, daß es sein, oder eines Menschen, sondern Gottes Werk wäre.«

Mit Beten und Fasten, um damit verschont zu bleiben, brachte er diesen und den folgenden Tag zu, allein auch in der Nacht darauf und am Sonnabend frühe — war der 22ste Januar — erneuerte sich der Antrieb, daß es nemlich noch an diesem Tage geschehen müste, weil es nicht sein, sondern ein allgemeines Stadt- und Landwerk wäre. Er entwarf demnach folgende Gebetsformel:

»Es wird begehret, ein christliches Gebet zu thun für eine hochwichtige Sache, die Gottes Ehre und dieses ganzen Landes Wohlfahrt betrifft, welches im Namen der heiligen Dreifaltigkeit forderlichst zu traktiren obhanden ist. Der Allerhöchste wolle dieselbe zu seines heiligen Namens Ehre, Wiedererlangung des lieben Friedens und der bedrängten Christenheit Aushelfung mäch-[7]tiglich dirigiren und ausschlagen lassen, um des himmlischen Friede-Fürsten Jesu Christi willen. Amen.«

und ließ selbige dem Prediger Deutsch bei der Heiligengeistkirche mit dem Ersuchen, solche von der Kanzel abzulesen, einhändigen, welcher es aber wohlbedächtlich unterließ.

Nun rückte die scheußliche Stunde heran, in welcher Schwärmerei und Wahnsinn einen Mann, der stets ein Freund der Religion, von frommen und stillen Wandel, der nie ein Thier, geschweige denn Menschen zu beleidigen fähig gewesen, zu einer mehr als barbarischen That muthig und vermögend machten. Am bemerkten Sonnabend, den 22sten Januar, frühe um sieben Uhr ging Jakob Varmeier zu dem Obristen von Hazfeld in der Absicht, um vorberührte Pässe, oder Schuzbriefe abermal zu sollizitiren. Des Beils sich erinnernd steckte er solches, nebst einem Stücke von einer Gardine, wiewohl erschrocken und mit dem Gedanken, wenn Gott es nicht haben wollte, daß er das Beil wohl wider weg- oder ins Wasser werfen könnte, unter dem linken Arm hinter den Gürtel.

Bei seiner Ankunft verweigerte der Page, ihn anzumelden, er bediente sich also der vom Obristen erhaltenen Freiheit, auch unangemeldet in sein Zimmer kommen zu dürfen, und zeigte demselben im Eintritte an, daß er wegen Pässe für Wittwen und Studenten käme, auch sonsten etwas geheimes vorzutra-[8]gen hätte, mit Bitte, den am Tische sitzenden Sekretär abtreten zu lassen.

Als solches geschehen, fing er von den Pässen an zu reden, grif auch, von dem vorigen Gedanken wiederum gereitzt, nach dem Beile, bedachte sich jedoch wieder, zu Gott seufzend, daß die That unterbleiben möchte. Indem aber der Obrist nach dem Fenster sahe, und der Antrieb bei ihm heftiger ward, ergrif er mit der rechten Hand jenes Mordgewehr, hieb demselben zuerst über den Kopf, ferner in den Hals, und da jener dadurch noch nicht völlig von dem Leibe getrennt war, schnitt er den übrigen Theil des Halses völlig ab, wickelte den Kopf in das bei sich gesteckte Stück der Gardine, ging damit, ohne von jemanden aufgehalten zu werden, über den Markt in das sogenannte Röslersche Haus, warf Kopf und Beil daselbst auf den Hausboden, verfügte sich hiernächst in den Keller desselben, und legte sich allda in ein Bett, mit fleißigem Gebete und in der Meinung, der Krieg könnte dadurch aufgehoben werden.

Dieses wäre nun der ganze Zusammenhang einer so sonderbaren, als schrecklichen Handlung, welche ich aus seinem eigenen, ganz freiwillig abgelegten und unter aller Marter unverändert wiederholten Bekenntnisse möglichst genau anzuführen, zweckmäßig geachtet habe, um die Moralität derselben desto zutreffender beurtheilen zu können.

[9]

Unmöglich konnte eine solche That, und eben so wenig der Thäter lange verborgen bleiben. Der Kaiserliche Obristlieutenant Golz von der Kron veranlaßte noch an selbigem Tage ein akademisches Patent, daß wer den Auffenthalt des Jakob Varmeiers wüste, solchen anzeigen, allenfalls auch, wo möglich, ihn persönlich liefern sollte.

Die Kaiserliche Besatzung hatte inzwischen schon einige Gewaltthätigkeiten ausgeübet, jedoch der Thäter ward bald in seinem Zufluchtsorte, dem Röslerschen Keller, entdeckt und damit auch alle Unruhe in der Stadt gestillet. Bei seiner Arretirung hatte seine unbesonnene Widersetzlichkeit die Folge, daß er von der Wache übel behandelt und verwundet wurde, und er ward nach dem sogenannten Zwinger vor dem Steinthore in Verhaft gebracht. Da er schon verschiedentlich extra Protocollum befragt worden und das ganze Faktum offenherzig gestanden hatte: so erfolgte das erste förmliche Verhör am 24. Januar Abends um 6 Uhr.

Er erzählte hierauf abermal und ungezwungen das ganze Faktum und dessen Veranlassung, so wie es schon oben aus diesem Protokoll angeführt worden, mit dem Beifügen, daß er nach vollbrachter That, welche ihm zwar nicht lieb, jedoch von Gott befohlen wäre, in diesem seinem Gefängniß eine solche Erquickung im Herzen empfunden, als wenn er schon im Himmel gewesen und grosses Triumphiren und Jubiliren gehört hätte, er sollte nur einige [10]Zeit leiden und bald aus dem Elende hinweggerissen werden.

Alles dieß fand freilich bei seinen Richtern keinen Glauben, sie vermutheten vielmehr, daß der Haß, wegen des von dem Obristen Hazfeld bezogenen Hauses, oder auch andere Leute ihn dazu verleitet hätten; aber von beiden versicherte er das Gegentheil und besonders, daß kein Mensch etwas davon gewußt habe. Zwei Papiere hatte man gefunden, erstlich den obbemerkten Auszug aus dem Buche Judith, und ferner einen Gesang oder Gedicht auf des Königs von Schweden Ankunft in Deutschland, von acht Strophen, dessen Anfang: Nun kommt der betrübten Heiland etc.

Auch hierüber befragt, gestand er, den ersten geschrieben zu haben, zum Verfasser des letztern aber gab er bei diesem Verhör einen Fremden an. Hierauf ward er dem Peiniger übergeben, welcher ihm die spanischen Stiefeln anlegte und solche viermal, nach und nach stärker, anschrob, jedoch auch dadurch kein anderes Geständniß, noch weniger aber Mitschuldige von ihm erzwingen konnte.

Für diesesmal erlassen, ward Tages darauf, den 25sten Januar Nachmittags um drei Uhr das zweite Verhör in seinem Gefängnisse gehalten.

Auf alle an ihn geschehene Fragen antwortete er blosserdings wie zuvor, und daß diese That weder aus Haß, noch Antrieb eines Menschen ge-[11]schehen; er wüßte gar wohl, daß es Sünde und wider Gottes Gebot wäre, jemanden am Leibe, Leben oder Gut zu beschädigen, jedoch wäre dieses ein extraordinarium, eine göttliche Eingebung und Befehl, dessen Vollziehung er durch sein öfteres Beten von sich nicht abwenden können.

Selbst die bei diesem zweiten Verhör widerholte Tortur, da er mit der Schraube auf dem linken Bein zu zweienmalen und sein Leib an unterschiedenen Orten derselben Seite, besonders auch der grosse Zehen des torquirten Fusses mit brennendem Schwefel gemartert wurde, konnte kein anders, ja nicht einmal das Geständniß, wie er diese That für Sünde hielte und sie bereuete, von ihm erpressen, weil er solche noch stets für einen Antrieb und Werk Gottes achtete, dem er nicht widerstehen können.

Nunmehro wurden auch des Inquisiten Schwiegermutter, Anna Schönermarken, und seine Ehegattin, Sophia von Nessen, von den dazu abgeordneten Räthen in ihrer Behausung über einige, besonders die Veranlassung dieses Verbrechens betreffende Fragen vernommen, welche jedoch nichts weiter darauf zu antworten wußten, als daß er in seinen vorherigen Anfällen und um diese Zeit grosse Herzensangst empfunden; daß er immer und noch an dem Morgen, wie die That geschehen, mit gottseligen Gedanken und Ge-[12]bete sich beschäftiget; daß er keinesweges, wegen Räumung des Hauses, einigen Haß gegen den Obristen geheget, sondern vielmehr erstere getröstet.

Es waren schon am 30. Januar die vorbemerkten beiden Protokolle vom 24sten und 25sten d.M. das von ihm entworfene Kirchengebet und 22ster Inquisitions-Artikel dem Inquisiten abschriftlich zugestellt, um solche durchzusehen, weil er am 1sten Februar darüber jedoch nur gütlich und ohne Tortur vernommen worden. Die Räthe Meier und Wasmund, nebst zweien Kaiserlichen Hauptleuten und dem Prediger Zacharias Deutsch bei der Heiligengeistkirche, kamen am bestimmten Tage zu ihm; er wiederholte, daß das in dem Protokoll erzählte Faktum völlig der Wahrheit gemäß wäre, besonders aber, daß kein Mensch zuvor einige Wissenschaft davon gehabt, und daß er weder aus Haß, Neid, bösem Vorsatze, wegen des Hauses, oder um Ehre und Gewinnst willen, noch in der Meinung, die Stadt dadurch von der Einquartierung zu befreien, jene That unternommen habe; er hätte auch vorhin nichts anders sagen können, als daß es ex singulari inspiratione divina geschehen, zumal er sich allezeit der Gottesfurcht beflissen, fleißig gebetet und sich Gott befohlen hätte, wäre also der Meinung gewesen, daß der Satan an ihm keine Macht haben könne.

Jedoch da er am vorigen Mittwoch seines Beichtvaters, Constantin Fiedlers, Pastoren bei [13]der St. Marienkirche und dessen Kollegen Meinung darüber verlanget, auch von jenem belehret worden, daß es nicht aus Gottes Eingebung, sondern des bösen Feindes List und Antriebe geschehen wäre, der auch, mit göttlicher Zulassung, die Allerheiligsten, wie den König David, verführen könnte, so hätte ihn Gott auf sein Gebet endlich erleuchtet, daß er nunmehro die That für Sünde hielte, selbige erkenne, und herzlich bereue. Die Inquisitional-Artikel bejahete, oder verneinete er übrigens, so ferne sie seinem vorigen und jetzigem Geständnisse gemäß oder zuwider, und bat sich am Schlusse einen Menschen aus, dem er etwas zu seiner Vertheidigung in ie Feder diktiren könnte, weil es ihm wegen seiner Schwachheit und der Wunden am Arm unmöglich wäre, aufzusetzen.

Die bis zu obigem Verhör standhafte Aeusserung des Inquisiten, daß er lediglich aus göttlicher Eingebung und Antrieb die Mordthat begangen, muste dem Wallensteinschen Ministerio selbst nicht ganz unerheblich geschienen haben; wenigstens ward durch ein Schreiben des Stadthalters vom 27sten Januar das gemeinsame Erachten der theologischen Fakultät, des Superintendenten und der gesammten Prediger in Rostock darüber verlangt. Dieses erfolgte unterm 3ten Februar. Wäre es nicht zu weitläuftig, so möchte es vielleicht, wegen der darin angebrachten Gründe, ganz gelesen zu werden verdienen; aber die Geduld des Lesers nicht zu ermü-[14]den, will ich nur folgendes daraus bemerklich machen: Es sei nemlich keinesweges aus der heiligen Schrift zu ersehen, daß eine solche grausame That aus göttlichem Antriebe herrühren könne, allenfalls müste durch einen besondern höhern Befehl, Genehmigung oder Wunder dem allgemeinen göttlichem Gesetze: Du sollst nicht tödten, derogiret werden. Der Beweis hievon mangele nun in gegenwärtigem Falle, es folge also, daß der Impulsus von einem andern Autore hergekommen, nemlich dem bösen Geiste, der ein Mörder vom Anfange, und welcher an Inquisiten, so das Zeugniß eines frommen und christlichen Verhaltens hätte, dabei aber stets zur Melancholei — ein balneum diaboli — geneigt gewesen, mit göttlicher Zulassung ein bequemes Subjekt zur Ausführung dieser That gefunden und ihn dazu getrieben hätte.

Der unglückliche Varmeier starb ein paar Tage darauf an der grausamen Folter, womit ihn zuletzt das militärische Gericht quälte.

Evers, Geheimer Archivarius und Hofrath zu Schwerin.

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Erläuterungen:

a: Evers publizierte diesen Fall zuerst in der Zeitschrift Gelehrte Beiträge 1777/1778 (1777 Stück 51, S. 201-204, Stück 52, S. 205-208; 1778 Stück 1, S. 1-4, Stück 2, S. 5-8.).