ΓΝΩΘΙ ΣΑΥΤΟΝ oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde

Herausgegeben von: Karl Philipp Moritz, Karl Friedrich Pockels und Salomon Maimon
Digitale Edition herausgegeben von Sheila Dickson und Christof Wingertszahn


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III.

Zum 1sten B. 2tes St. No. 8. pag. 100. des Magazins.

Anonym

Ich erstaunte, hier meine Geschichte zu lesen. Auf Thürmen, wo ich nichts zu befürchten hatte, an Fenstern, deren Bänke mir bis an die Brust gingen, war die Idee bei mir lebhaft, du wirst herunterspringen!

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Nun die Ideen, der Zerfleischung, des Schröckens der Stadt, des Geredes, warum und wie es geschehen, gingen so mit mir herum, als ob ich Augenzeuge einer solchen ebengeschehenen schröcklichen Sache sei; so daß ich vom Thurme weggehen, oder das Fenster zumachen muste, um Luft zu schöpfen, und zu Verstande zu kommen.

Noch neuerlich geschah mir in der Kirche, das was mir oft geschah, der innere heiße Drang, laut reden zu müssen.

Ich stellte mir alle Folgen vor, und der Zwang, den ich mir thun muste, preßte mir entsetzliche Angst aus.

Ich war darüber böse auf mich, konnte mir es durch nichts erklären, als daß der Fall, närrisch zu werden, bei mir eintreten könnte.

Und siehe: Herrn M. ging es eben so; und seitdem hat mir ein Anverwandter gestanden, daß es ihm eben so gehe. Also drei Beispiele von einerlei ― wie soll ich es nennen ― Narrheit? ― Was ist das?

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