ΓΝΩΘΙ ΣΑΥΤΟΝ oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde

Herausgegeben von: Karl Philipp Moritz, Karl Friedrich Pockels und Salomon Maimon
Digitale Edition herausgegeben von Sheila Dickson und Christof Wingertszahn


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7.

<Zwei Briefe>

Anonym

Folgende beide Briefe sind mir von einem verehrungswürdigen Manne, der den Verfasser derselben persönlich kannte, im Original mitgetheilt. Bei alle dem Unsinn, welcher darinn herrscht, werden sie demohngeachtet dem Kenner und Beobachter der menschlichen Seele nicht ganz unwichtig seyn. Sie sind beide, wie man siehet, über einerlei Gegenstand, der erste im Anfange der Verrückung, und der andere einige Zeit nachher, geschrieben, da nur noch wenige Spuren von Zusammenhang in den Gedanken zu bemerken sind. In dem ersten Briefe ist der Ausdruck gleichsam schon gelähmt; ein paar Perioden lang bleibt noch Sinn in den Worten, am Ende derselben aber verliert er sich plötzlich, indem oft ein ganz fremdes Wort die Stelle des dahin gehörigen ersetzen muß.

Der zweite Brief, welcher nicht gar lange nach dem ersten geschrieben ist, zeigt, wie sehr die Verrückung in dieser kurzen Zeit zugenommen habe. Der Faden der Gedanken, die sich immer um einen Gegenstand zu drehen scheinen, reißt alle Augenblick, und hält keinen einzigen Perioden mehr aus. Wer weiß, ob bei dieser Lähmung des Ausdrucks nicht auch völliges Bewußtseyn dieses Zustandes statt fand?

[97]
1.

Insonders hochgeehrte Frau Schwester,

Der unvermuthete Todes-Fall des Herrn Bruders vor ganz kurtzer Zeit durch den auch allzufrühen Abgang von dieser Welt abgefordert: Dero einzigen herzlich geliebten Jungfer Muhme sind heimgesucht worden, hat mich desto mehr bestürzet und erschrecket, je näher so wohl das Geblüt, als die Freundschaft und Zuneigung mit meinen hochgeehrten Herrn Bruder mich verhauen*) 1 Mache demnach meiner Schuldigkeit zu Folge meine betrübte Kondolenz hiedurch ab, dabey gestehe gern, daß mein hochgeehrter Herr Vetter ziemliche Ursache hat, der Traurigkeit bey so schmerzlichen Verlust nachzuhängen, da gewiß nach dem Zeugniß aller, welche die Selige und in Gottruhende gekennet, dieselbe eine recht fromme und tugendhafte Jungfer Muhme sowohl als auch eingebüßet und verlohren haben. Hiernächst fasset ein jeder zu dero Christlichen Gelassenheit das gute Vertrauen, es werden mein Hochgeehrter Herr in solchem Leidwesen sich gebührend zu auch einen zu wissen, und zuförderst erwegen, daß es Gott der Allerhöchste sey, so die selige Herr zu sich genommen, und dessen allein weiser Schluß es mit den Seinigen niemahls auch ein solcher meinet. Und da auch desselben Güte meinen hochgeehrten [98]Herrn Bruder zwei Söhnlein nebst dero Frau Mutter, mein auf ein solcher liebste Jungfer Muhme gelassen, so wollten Sie zu jener Auferziehung Dero Gesundheit schonen, und sich nicht vor der Zeit durch unmäßigen Gram ihnen allen entziehen. Indem ein jeder dafür hält, daß es besser ein Kind, als die Eltern einbüßen absonderlich da noch einige ungezogene Kinder vorhanden. Ich wünsche von Grund der Seelen, daß zu deren Wohlfahrt die Göttliche Allmacht meinen hochgeehrten Herrn Vetter und Jungfer Muhme noch lange Zeiten bei guter Gesundheit, und allem Wohlseyn erhalten wolte, und nebst Bezeugung aller Geflissenheit verbleibe

Meiner Hochgeehrten Frau Schwester

p. s. unser ganzes Hauß, und Familie Empfehlung zu machen denn ich verharre

ergebenster Bruder.

2.

Hertzlichste Frau Schwester

Derohalben die angenehmen an ihre Zuschreiben in dieser Zeit da man ein für allen sehrer mögen ich haben als auch ein solcher wissen gehöret haben in dessen ihre Todfall erzeichtich getrösten lassen, ich wünsche von ganzen Hertzen ein die Zeit aller sehrer Vorsatz in dieser Verlust vor aller sehrer an dieser in die Frau Schwester ihre Frau Muhme ich kann sicher glauben, daß sie großer Schmertzen empfunden haben, abgefordert, ich wünsche daß ihre Trau-[99]rigkeit verwahr lassen sich selbst ihre gutes Muthes zu seyn; Ich muß aber zwar an ihre gesund, und ihre kleine Familie noch lange leben, ich erkenne die Frau Schwester in sondern Vorsatz ihre tröst, und aller gütig laß uns trost zu; seyn, und gütig gute Freunde, und hat sie viele gutes Muths, daß sie ihre abgegangen sind, ich erkenne Frau Muhme noch mehr zu denken aber zwar sich selbst unterlassen ihre die Frau Schwester soll großer Freunde seyn; vor aller möglich, und vergnügt sich selbst als ein solcher schicket in dieser Zeit auch aller möglich geschlecht müßen; Ob zwar in dieser Zeit weil ich aber in dieser gesund, und Vorsatz gewesen seyn untereinander aus eine sehrer Freunde indessen vergnügt, und Vorsatz sich werden bald nicht leben ich erkenne sich zwar in aller mögen ich finde sie recht wohl ich bin gutes muths sich selbst sehrer angenehmen Freunde, und vergnügt an dieser aller Ort; Ich wünsche von ganzen Herzen die Frau Schwester ferner ihre gesund, und aller möglich gewesen sind als ein solcher vergnügt, und aller Vorsatz großer Freunde an sich selbst ihre gefristet zu lassen haben, so haben wir indeßen vor aller möglich, und Vorsatz sicher zu seyn; Ob ich zwar die angenehme Zeit sich selbst ander möglich, und gütig Zeit zu lassen Unsern ganzen Hauß Empfehlung zu machen Der ich bin ganz Gehorsamste Freundschaft aus

Dero

gehorsamsten Bruder.

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Fußnoten:

1: *) verbinden war ausgestrichen.