ΓΝΩΘΙ ΣΑΥΤΟΝ oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde

Herausgegeben von: Karl Philipp Moritz, Karl Friedrich Pockels und Salomon Maimon
Digitale Edition herausgegeben von Sheila Dickson und Christof Wingertszahn


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3.

Selbstgeständniß des Herrn O. C. R. B.*) a 1

Büsching, Anton Friedrich

Mein Charakter.

Ehrlich, redlich und offenherzig, dienstfertig, gefällig und mitleidig, doch habe ich seit mehrern Jahren lernen müssen, gegen viele Personen, und in vielen Fällen, hart zu seyn.

Gott und dem Heiland der Welt aus Dankbarkeit aufrichtig ergeben, und derselben Bekenner, ohne Kunst und Verstellung, auch ohne Furcht, durch vieljährige Erfahrung von der wahren und großen Glückseligkeit, die dadurch erlanget wird, aufs stärkste überzeuget. Stark im Vertrauen zu Gott, und völlig mit seinen Führungen zufrieden.

Sehr lebhaft und feurig, zur kurzwährenden Heftigkeit in der Hitze geneigt, aber auch in manchem Fall für hitzig gehalten, wo nur natürliche und ordentliche Lebhaftigkeit war.

Geschwind und schnell, den Langsamen allezeit, den Muntern oft, und in einigen Fällen wirklich zu geschwind, so daß Uebereilung daraus entstehet, [113]doch nicht so oft, als es diesem und jenem vorkommt, der nicht gewohnt ist, geschwind zu denken, sich zu entschliessen und zu handeln.

Standhaft, oft bis zum Schein des Eigensinns und der Fühllosigkeit bei gegenseitigen Vorstellungen, die doch vorher gedacht und überlegt waren. Muthig, herzhaft und dreist, oft in hohem Grade.

Mäßig in allen Dingen, zufrieden mit Wenigem, Herr und Meister des Appetits.

Im Umgang mir selbst zu lebhaft und zu viel sprechend, also nach demselben gemeiniglich sehr unzufrieden mit mir selbst, und eben deswegen geneigt den Umgang sehr einzuschränken, und Gesellschaften zu fliehen.

Von Stolz frei, aber nicht von Ruhmbegierde, doch im beständigen innern Kampf und Streite mit derselben, und bei hinlänglicher Ueberlegung vermögend, sie ganz zu unterdrücken und zu vermeiden.

Der Beifall eines rechschaffenen und zur Beurtheilung tüchtigen Mannes ist mir wichtig, und gereicht mir zur Ermunterung.

So arbeitsam, daß die Arbeit mit zu meinem Lebensbedürfniß gehört, und daß der Trieb zu derselben größer, als zu irgend einem sinnlichen Vergnügen ist.

Fußnoten:

1: *) Dieß Selbstgeständniß eines sehr bekannten Mannes verdient wohl in einem psychologischen Magazin besonders aufgestellt zu werden. <M.>

Erläuterungen:

a: Quelle: Büsching 1789, S. 605f.